Kaum ein Tag vergeht, an dem die Autohersteller nicht eine Konferenz zur Elektromobilität verkünden, neue Batterie-Allianzen schließen oder eine Studie über den baldigen Durchbruch der Elektroautos auf dem Markt verkünden.

Doch vieles davon ist stark übertrieben – meint zumindest die US-Journalistin Nikki Gordon-Bloomfield. „Machen wir uns doch nichts vor. Elektroautos sind nach wie vor ein äußerst kleiner Nischenmarkt“, beginnt sie ihren Blog-Eintrag auf der US-Branchenseite „Allcarselectric.com“. Fünf Dinge müssen die Elektroautohersteller noch lernen, bevor sie reif für den Massenmarkt sind, argumentiert Gordon-Bloomfield. Manche ihrer Punkte treffen durchaus auch auf deutsche Elektroauto-Hersteller zu.

  1. Senken Sie den Preis, schreibt die Elektromobilitäts-Expertin. Elektroautos sind weiterhin viel zu teuer für die Masse, nur wahre Enthusiasten oder sehr Wohlhabende können sich Preise um die 50.000 Euro für ein Auto leisten. Um mindestens 50 Prozent müsste der Preis sinken, fordert sie. Wenn das nicht gehe, dann müssen die Autos für ihre Besitzer so attraktiv sein, dass sie jeden Cent wert waren. Deutsche Hersteller, die mit ihren Elektroauto-Plänen ohnedies hinter anderen zurückhinken, sollten sich ihre Verkaufspreise also genau überlegen.
  2. Kümmern Sie sich um Extras Elektrofahrzeuge wie der Chevrolet Volt oder Nissans Leaf weisen in die richtige Richtung: Sie bieten die üblichen Komfortmerkmale wie Klimaanlage, Fensterheber und ähnliches. Doch viele kleinere Hersteller bieten Fahrzeuge an, deren karge Ausstattung sich auf Vorkriegs-Niveau bewege. Wer mehr als 20.000 Dollar für ein Fahrzeug ausgebe, wolle nicht im Plastik-Innenleben eines Billigautos durch die Gegend fahren, schreibt Gordon-Bloomfield treffend.
  3. Echte Reichweiten, keine geschönten Je höher die angegebene Reichweite, desto größer die Kundenanzahl. Falsch, meint Gordon-Bloomfield. Autohersteller, die nur die Optimalreichweite unter Optimalbedingungen angeben, werden letztlich beim Kunden durchfallen. Besser wäre es, eine geringere Reichweite anzugeben, die „regelmäßig und verlässlich erreichbar sein.“ Denn übertriebene Reichweiten versetzen potenzielle Käufer in Angst – eine der größten Hürden bei den Elektroautos
  4. Konventioneller auf der Straße, aufregender auf der Rennpiste Elektroautos unterscheiden sich bei Antrieb und Treibstoff von herkömmlichen Autos. Deshalb müssen sie aber nicht völlig anders aussehen, mahnt Gordon-Bloomfield. In den ersten Jahren werden ungewöhnliche Designs wohl als Blickfang dienen. Doch wenn das Elektroauto zum Massenfahrzeug werden soll, muss es seinen Benzin-Cousins ähnlich sehen. Aufregende Designs legt die Journalistin den Elektroauto-Rennställen nahe. Denn dort könnten sie gemeinsam mit einer beeindruckenden Performance und nachgewiesenen Erfolgen die Akzeptanz bei Motorsport-Fans erhöhen
  5. Verkaufsteams motivieren Solange Autohersteller nicht eigene Verkaufsräume für Elektroautos schaffen – wie es etwa der US-Pionier Tesla mit seinen Fahrzeugen tut – werden Autoverkäufer ihren Kunden lieber Benziner als E-Autos andienen. Das ist längst nicht nur deren Fehler. Denn oft fehlt ein effektives Elektroauto-Verkaufstraining, zudem übt das Management Druck aus, um bestimmte Modelle besser zu verkaufen. „Wenn die Verkäufer die Vorteile von Elektro- oder Hybridautos nicht in höchsten Tönen preisen, werden konventionell angetriebene Autos immer höhere Verkäufe erzielen“, schreibt die US-Journalistin

Die gute Nachricht präsentiert Gordon-Bloomfield ganz am Schluss: Die großen Autohersteller kriegen diese Punkte langsam mit – und punkten mit genaueren Daten, der auch bei Benzinern üblichen Innenausstattung und motivierten Verkäufern. General Motors bietet etwa für die Batterie in seiner Elektroauto-Hoffnung Volt eine achtjährige Garantie für 100.000 Kilometer Fahrleistung an. Das soll den Kunden die Angst vor dem Stehenbleiben nehmen – und wird wohl auf gehörige Resonanz stoßen.

Wann kommen die ersten Elektroauto-Betriebsgarantien von deutschen Herstellern?

Disclaimer: Den wortgleichen Text finden Sie auch im Blog Wattgetrieben auf wiwo.de: Fünf Dinge, die Elektroauto-Hersteller lernen müssen

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