Elektro-Scooter des Verleihers Lime, Bild: Lime

Ausgerollert – Die Nöte der E-Scooter-Verleiher

Noch im vergangenen Sommer fluteten sie deutsche Städte mit zehntausenden Leih-Scootern, hatten Milliardenbewertungen im Rücken und traten als E-Scooter-Verleiher höchst selbstbewusst an: Ihre batteriebetriebenen Elektro-Tretroller sollten, so suggerierten es Start-ups wie Bird, Lime, Tier oder Voi gerne, die Mobilität in Großstädten revolutionieren.

Just zu Saisonstart im Frühjahr zeigte sich überdeutlich, dass angesagte Revolutionen selten stattfinden. Denn wegen der Coronavirus-Pandemie mussten die meisten Anbieter ihre Tretroller-Flotten in den Winterschlaf zurückversetzten: In kaum einer deutschen oder europäischen Stadt können Privatkunden noch per App Tretroller leihen.

Schon im Spätherbst vergangenen Jahres zeichnete sich ab, dass die ersten E-Scooter-Verleiher ins Schlingern geraten. Seit Mitte März befindet sich die junge Branche im Existenzkampf-Modus, wie die Recherchen meiner Kollegin Mirjam Hecking und mir bei Mikromobilitäts-Anbietern und Branchenexperten ergaben. Denn ihrer Vision der neuen Kurzstrecken-Mobilität steht ein Stresstest von ungeahntem Ausmaß bevor.

Die durch die Ausgangsbeschränkungen und Wirtschafts-Lockdown erzwungene Ruhe hatte dabei zumindest für Mirjam und mich etwas Gutes: Denn die oberste Führungsriege der E-Scooter-Verleiher war relativ schnell und unkompliziert für uns erreichbar, oftmals auch per Videokonferenz.

E-Scooter-Verleiher mit abenteuerlichen Arbeitsverhältnissen

Dennoch zog sich die Recherche für Online-Verhältnisse doch ein wenig hin. Denn wir kontaktierten neben den Elektroscooter-Verleihern auch noch andere Mobilitätsdienstleister, etwa Carsharer. Und bei denen wurde es gesprächstechnisch ebenso schwierig wie schmallippig. CEOs wollten nicht antworten, ausnahmsweise ließen wir uns deshalb auf die schriftliche Beantwortung von Fragen ein. Und da zeigte sich einmal mehr, wie Pressesprecher unliebsame kritische Fragen mit nichtssagenden Antworten abbügeln. Was der Grund dafür ist, dass ich üblicherweise auf persönliche Gespräche poche.

Zwei Nutzer fahren mit E-Scootern des Verleihers Lime auf einem an einem Brunnen liegenden Asphaltweg, Foto: Lime
Saisonstart ins Wasser gefallen: Für die Scooter-Verleiher ist das Frühlingsgeschäft wichtig, diesmal war es wegen der Coronakrise schlicht nicht vorhanden

Allerdings stießen wir auch auf abenteuerliche Verhältnisse bei krisengeschüttelten E-Scooter-Verleihern. Bei einem großen Player etwa erklärte der bisherige DACH-Sprecher, vor einer Woche gefeuert worden zu sein und deshalb nicht mehr für das Unternehmen Auskunft geben zu können.

Eine Recherche, gleich zwei ausführliche Stories

Die Gespräche vermittelten uns ein bitteres Bild der vorgeblichen Mobilitätsrevolutionäre. Denn einige von ihnen mussten, auch gedrängt von den US-Investoren, sehr schnell vom Expansionsmodus in die Liquiditätsschonung schalten. Und das hieß teils: Roller von den Straßen holen, App auf Minimalmaß runterfahren, und laufende Kosten drücken – auch durch schnelles Feuern größerer Belegschaftsteile.

Längst nicht alle E-Scooter-Verleiher werden überleben können, waren sich Branchenkenner in der Woche vor Ostern sicher. Weil wir wirklich an die wichtigsten Personen im Rollerbusiness herankamen und uns spannende Geschäftseinsichten gaben, ließen unsere Chefs das gründlich recherchierte Stück im Bezahlteil laufen. Hier ist der direkte Link zur Story (die sie nur als manager magazin premium-Abonnent vollständig lesen können).

Unsere Mühen zahlten sich jedenfalls in hohen Klickzahlen aus: Über die Osterfeiertage war unsere Geschichte die meistgeklickte unter den manager magazin Premium-Texten. Und aus den Recherchen bei den Carsharern schrieben wir dann noch ein zweites, eigenes Stück über die Nöte der Mobilitätsanbieter. Das lief dann im freien Teil – schließlich hatten uns die Mobilitätsanbieter ja mit hohlen Phrasen und Pressesprecherstatements abgespeist. Und das entspricht nun mal nicht dem Anspruch von manager magazin premium, Wirtschaftsaufklärung aus erster Hand zu liefern.

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