Coroplast-Kabel in einer Installation, Foto: Coroplast-Website, Link zur Quelle https://www.coroplast.de/detail/digitale-transformation-bei-coroplast/

Coroplast-Chefin wettert gegen das “Klimadiktat”

Diese Frau hat was zu sagen – und das nicht nur der deutschen Wirtschaft: Nathalie Meckelburger ist eine der Vorzeigefrauen des deutschen Mittelstands. Sie führt seit 2006 den Autozulieferer Coroplast aus Wuppertal. Das Unternehmen, das mit 5700 Mitarbeitern rund eine halbe Milliarde Euro umsetzt, stellt Klebebänder und Kabel für die deutsche Autoindustrie her.

Meckelburger führt Coroplast in dritter Generation. Sie hat BWL studiert und gilt als taffe, durchsetzungsstarke Geschäftsfrau. Doch etwas stört sie mächtig am Standort Deutschland: Die aktuelle Klimapolitik der deutschen Bundesregierung hält sie für maßlos übertrieben, beinahe schon geschäftsschädigend.

Diese sehr prononcierte – und in der deutschen Industrie deshalb eher ungewöhnliche – Position weckte das Interesse eines meiner Kollegen. Er wollte sie für manager magazin Print unter anderem dazu befragen. Denn Meckelburger positioniert sich zwar wesentlich offensiver als viele ihrer Mitstreiter. Alleine ist sie mit ihrer Meinung aber beileibe nicht.

Turbo-Übernahme des Coroplast-Interviews

Der Termin für ein Interview auf der deutschen Automesse IAA Mitte September war wochenlang vereinbart. Doch dann kam meinem Kollegen doch etwas dazwischen. Ich war zu dieser Zeit gerade in Frankfurt, um von der IAA zu berichten. Am ersten Pressetag rief mich mein Kollege am Handy an. Ob ich wohl für ihn bei dem Interview einspringen könnte, frage er mich. Es sei alles vorbereitet und besprochen, seine Frageliste wollte er mir umgehend schicken.

Ich willigte ein, auch wenn es meinen Plan für den zweiten Messetag ziemlich durcheinanderwirbelte. Allerdings fand ich die Gelegenheit spannend. Und es reizte mich, mehr zu erfahren über Frau Meckelburgers Gegenposition zur Debatte um eine schnellere Reduzierung der CO2-Emissionen.

Allerdings war es für mich im Messestress nicht gerade leicht, mich nochmal gründlicher in die Thematik einzulesen. Und die Übernahme von Interviewleitfäden eines Kollegen ist auch nicht immer einfach. Denn manche Themenschwerpunkte waren anders gesetzt, als ich das vielleicht selbst gemacht hätte.

Ich traf Frau Meckelburger dann direkt auf dem IAA-Messegelände. Nach den Fotos setzten wir uns in draußen auf eine der Parkbänke. Dann sprachen wir geschlagene zwei Stunden lang über Familienunternehmen, Vermögen, die Wirtschaftspolitik der großen Koalition – und natürlich die Auswirkungen der Klimapolitik auf Unternehmen.

Zweistündiges Gespräch auf der Parkbank

Frau Meckelburger, und das imponierte mir, war bestens vorbereitet auf das Gespräch. Sie konnte mit zahlreichen (von Mitarbeitern vorsorglich rausgesuchten) Zahlen und Studien belegen, warum sie die Diskussion über „Klimasünder“ für überzogen hält. Und sie argumentierte höchst politisch und leidenschaftlich, warum sie die Klimapolitik für eine linke Bewegung hält, die eine sozialistische Neuordnung der Gesellschaft zum Ziel hat – statt das Weltklima zu retten.

Man muss ihre Position nicht teilen, ein spannender Denkanstoß ist sie aber allemal. Denn Meckelburger regt an, die forcierte CO2-Reduktion auch einem Kosten-Nutzen-Vergleich zu unterziehen. Sie vermutet wie auch manche Wissenschaftler, dass die jetzigen Kosten zur CO2-Vermeidung höher sind als die Schäden, die in Zukunft durch einen Anstieg der CO2-Emissionen entstehen würden. Und dass die deutsche Regierung so sehenden Auges Wohlstandsverluste in Kauf nimmt.

Natürlich sind das auch die Positionen einer Wirtschaftstreibenden, die höhere Kosten für ihr Unternehmen fürchtet. Dabei ist Meckelburger aber nicht generell gegen eine Senkung der CO2-Emissionen. Die hält sie für notwendig. Sie hinterfragt jedoch, ob es ganz so schnell gehen muss wie von Klimaaktivisten gerne gefordert wird. Sie kritisiert eine Art Monopolisierung der Klimawandels-Datengrundlage durch den Weltklimarat. Und sie bezweifelt, dass die Apokalypse so unmittelbar bevorsteht, wie es in der öffentlichen Debatte so oft den Anschein hat.

 Das Interview erschien auf fünf Seiten in einem Sonder-Printheft des manager magazins. Online können Sie es hier in Gänze lesen (wenn sie zu den manager magazin premium-Abonnenten zählen).

Für mich war es jedenfalls ein sehr spannendes Gespräch – auch wenn die Kürzung des Zwei-Stunden-Gesprächs auf fünf Heftseiten sehr viel Arbeit bedeutete. Das Interview sorgte für ordentlich Traffic auf manager-magazin.de – und für Diskussionen in deutschen Chefetagen, wie mir Kollegen meldeten.

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