Mal eine spärliche Ankündigung hier, dann eine kleine Präsentation dort: Seit Monaten lassen die deutschen Tüftler von DBM Energy nur wenig von sich hören. Dabei arbeiten sie seit langem an einem Hochleistungsakku, der die derzeitige Reichweite von Elektroautos glatt vervierfachen könnte.

Doch nun dürfte das Berliner Startup, das im Januar den „Innovationspreis der Vernunft” verliehen bekam, vor einem größeren Durchbruch stehen.

Die vor kurzem verschickte Einladung zu einer Pressekonferenz Anfang nächster Woche liest sich geheimnisvoll: DBM und der Energieanbieter lekker Energie starten eine Rekordfahrt, heißt es darin. Ein Empfang bei Bundeswirtschaftsminister Brüderle steht ebenso auf dem Program wie eine Strecke von „mindestens 300 Kilometern auf der Autobahn, ohne „tanken” zu müssen.”

Möglich macht das eine von DBM entwickelte Batterie auf Lithium-Metall-Polymer-Basis, die das Unternehmen Kolibri nennt. Eingesetzt wird die Batterie bereits bei Elektro-Gabelstaplern, die mit einer einzigen Akkuladung  bis zu 28 Stunden betrieben werden können. Der exotische Name für den Hochleistungsakku ist mit Bedacht gewählt: Denn Kolibris fliegen mit zwei Gramm Blütennektar 800 Kilometer weit. Die Vögel zählen somit zu den effizienten Tieren der Welt – und Effizienz-Weltmeister will DBM im Reich der Stromspeicherung werden. Geführt wird DBM Technology von dem 27-jährigen Tüftler Mirko Hannemann. Er hat die Energiespeicherung aber nicht neu erfunden – sondern nur das Beste aus vorhandenen Technologien zusammengeführt und an der Steuerungstechnik und der Materialkombination gefeilt.

Vervierfachung der bisherigen Elektroauto-Reichweite?

Der  Elektroauto-Akku, den DBM Technology und lekker Strom nächste Woche vorstellen, dürfte aber deutlich leistungsfähiger ausfallen als in der Presseaussendung zugegeben: Eine Reichweite von 600 Kilometer mit einer einzigen Akkuladung sei möglich, heißt es auf Anfrage von wiwo.de im Umfeld des Unternehmens.

Mit solchen Akkus wären Elektroautos von der Reichweite her herkömmlichen Benzinmotoren fast ebenbürtig. Nur zum Vergleich: Peugeots rund 35.000 Euro teures Elektroauto Ion kommt auf eine Reichweite von maximal 130 Kilometern, der Tesla Roadster schafft mit seinen 6000 Lithiumzellen rund 320 Kilometer Reichweite – bei einem prohibitiv hohen Verkaufspreis von 90.000 Euro.

Doch für Euphorie ist es noch zu früh: Bislang hat sich DBM weder zu den Kosten der Batterie noch zu deren möglicher Serienreife geäußert. In der Presseeinladung steht nur vage beschrieben, dass die geschützte Kolibri AlphaPolymer Technologie zukünftig die Basis von Speicherung von Strom in öffentlichen Netzen sein soll.

Sollte die Rekordfahrt gelingen, wäre sie aber allemal Beweis für deutschen Pioniergeist und Innovationskraft – und ein Beleg dafür, dass Deutschland punkto Batterietechnik in vorderster Reihe mitspielt.

Update: Nun hat das DBM bestätigt, dass die Rekordfahrt 600 Kilometer weit gehen soll – und auch über das Lekker-Mobil gibt es einige Rahmendaten: Das Fahrzeug ist ein umgebauter Audi A2 mit einer Richtgeschwindigkeit von 130 Kilometern pro Stunde. In dem Fahrzeug gibt es vier Sitze, Klima- und HiFi-Anlage sind ebenfalls an Bord. Bei Elektroautos ist das nicht unbedingt selbstverständlich.

Disclaimer: Dieser Text ist wortgleich auch im wiwo.de-Blog Wattgetrieben erschienen: Fahren Elektroautos bald 600 Kilometer pro Akkuladung?

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