Manchmal hilft im Online-Journalismus nur Intuition – trotz aller Daten und Informationen, die im Internet abrufbar sind. Seit Monaten war bekannt, dass VW-Patriarch Ferdinand Piëch seine Stammaktien an Mitglieder des Porsche-Piëch-Clans verkaufen will. Noch vor seinem 80. Geburtstag, so hieß es in mehreren Berichten, sollte die Transaktion stattfinden. Den begeht Piëch am 17. April – doch dass der Zeitplan wirklich hält, war alles andere als sicher.

Schließlich war Piëch in den vergangenen Jahrzehnten oft genug für Überraschungen gut: Denn „der Alte“, wie er in Wolfsburg genannt wird, galt als kaum berechenbar. Langjährige Topmanager servierte er mit einem bewusst platzierten Beisatz ab. Das verbale Beil traf etwa Ex-Volkswagen-Konzernchef Martin Winterkorn oder Ex-Porsche-Lenker Wendelin Wiedeking unvorbereitet – zumindest wirkte es öffentlich so.

Ein goldrichtiger Entschluss – zur rechtzeitigen Vorbereitung

Leicht zu deuten waren Aussagen aus Ferdinand Piëchs Umfeld deshalb nie. Doch an diesem Wochenende brachte die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung eine Story zu Piëchs geplantem Abflug bei VW. Darin hieß es, dass der Verkauf von Piëchs Anteilen an der Porsche SE – und damit der VW-Stammaktien – noch vor Ostermontag stattfinden sollte. Vorraussichtlich noch in dieser Woche, schrieb die FAS, sollte der Deal über die Bühne gehen.

Dabei geht es um keine kleinen Summen: 14,7 Prozent hält Piëch über mehrere Privatstiftungen an der Porsche SE, die wiederum die knappe Mehrheit an der Volkswagen AG besitzt. Auf etwas mehr als eine Milliarde Euro wird der Wert von Piëchs Aktienpaket geschätzt.

Ferdinand Piëch-Rückblick im Eiltempo – schneller geht’s nicht

In der Redaktion diskutierten wir, wie wir mit diesen Nachrichten umgehen sollten – und fassten am Vormittag einen im Nachhinein gesehen goldrichtigen Entschluss: Wir beschlossen, unsere bereits in Grundzügen vorhandene Bildergalerie zu Piëchs Karriere (die noch aus dem Jahr 2016 stammte), im Hintergrund auf den neuesten Stand zu bringen. Nur für den Fall, dass es wirklich schnell gehen sollte. Und das ging es dann auch – und zwar viel rasanter als von vielen erwartet.

Um 16:20 meldete die Porsche SE, dass die Verträge zum Verkauf von Piëchs Anteilen nun unterzeichnet seien. Bereits 20 Minuten später hatten wir dank der Vorbereitung meine Bildergalerie online, die Piëchs Karriere, seine Höhen, Tiefen und das finale Ausstiegs-Rennen im Detail erklärt.

So schnell kann Qualitäts-Onlinejournalismus sein, wenn Chef samt Redaktion den richtigen Riecher haben – und sich vom Bauchgefühl geleitet genau noch rechtzeitig vorbereiten. Kein Wunder, dass die Kollegen von Spiegel Online unsere rasante Runde mit Piëch gerne übernahmen.

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