Sie fingen ganz klassisch in der Garage an, haben ihr Startgeld via Internet aufgetrieben, und sind alle drei noch deutlich unter 30 Lenze jung. Natürlich wollen auch die Gründer des Startups Sono Motors die Welt verändern. Doch dafür wollen sie nicht einfach nur eine App programmieren – sondern gleich ein ganzes Elektroauto bauen.

Schon das Vorhaben verdient Respekt. Denn die deutsche Autoindustrie ist groß, mächtig und von neuer Konkurrenz nicht unbedingt begeistert. Die drei Sono-Gründer haben sich aber bislang geschickt an die große Autoindustrie herangetastet. Sie haben ihrem Fahrzeug ein paar Eigenschaften verpasst, die die großen wohl niemals in ein Fahrzeug bringen würden. Moose zur Luftverbesserung etwa – oder eine Rundum-Beplankung mit Solarzellen.

Und mit ihrer Crowdsourcing-Kampagne für den Bau der ersten Modelle haben sie sich eine echte Fan-Basis geschaffen, wie ich bei der Präsentation des „Sion“ im August in München sah. Denn da gab es – neben veganen Brötchen – auch eine Art Tesla-Moment auf deutschem Boden: Als Laurin Hahn den Wagen enthüllte, brandete langer Applaus auf.

Was Sono Motors der Autobranche bereits gezeigt hat

Doch Sono Motors hat nicht nur enthusiastische Fans, sondern mittlerweile auch ein paar Geldgeber mit tieferen Taschen und Mitstreiter mit Autobranchen-Erfahrung. Zu den Investoren zählt etwa einer der Pioniere bei Deutschlands Windparks. Ein Autozulieferer steckt Geld in Sono Motors, im Management-Team finden sich Leute mit jahrzehntelanger Arbeitserfahrung in der Autozulieferer-Branche.

Angekündigt hat Sono Motors ein Elektroauto für rund 20.000 Euro, vier Plätzen und einer Reichweite von über 200 Kilometern. Und die Prototypen fahren sich auch nicht sehr viel anders als ein herkömmliches Elektroauto, wie ich im Oktober in Hamburg ausprobieren konnte.

Noch fehlen Sono Motors zwar noch ein paar Schritte zur Serienproduktion – und ein paar hundert Vorbestellungen. Doch nach einer Luftnummer oder einem Fantasten-Projekt sieht das Ganze nicht aus. Nicht nur Elektroauto-Firmen aus China sollten den deutschen Autoriesen zu denken geben. Auch den Sono-Leuten könnte es gelingen, die deutsche Autobranche mit einem Günstig-E-Mobil herauszufordern. Es ist ein ganz anderer Ansatz als Tesla Motors, doch auch er hat durchaus Chancen auf Erfolg.

Bislang zeigt Sono Motors den Etablierten zumindest eines: Der Bau von Elektroautos ist längst nicht so kompliziert wie der eines Wagens mit Verbrennermotor. Und es könnte sich bald rächen, dass die Hersteller so viel Know-How und Entwicklungsarbeit an Autozulieferer ausgelagert haben.

Deshalb berichte ich regelmäßig darüber, wie Sono Motors vorankommt. Denn ich halte die jungen Münchner für eins der spannendsten – und mutigsten – Auto-Startups in Deutschland. Die Berichte über das Elektromobil-Startup interessieren auch die Leser von manager-magazin.de: Die Berichte über den Marken-Launch, die ersten Bilder und die ersten Fahreindrücke fanden insgesamt sechsstellige Leserzahlen.

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