Seine Reichweite galt bisher als unerreichbar für in Großserie gefertigte Elektroautos: Bis zu 500 Kilometer soll Teslas Model S mit einer Akkuladung schaffen, verspricht der kalifornische Elektroauto-Pionier. In den USA wurde das Auto mit vielen Vorschusslorbeeren bedacht. Bald ist der sprintstarke Stromer auch in Europa erhältlich und soll eine neue Ära der Elektromobilität starten – hofft Tesla. Ist das nur großmäuliges Marketing-Geplapper, oder ist da wirklich was dran?

Die Ausgangslage: Kann das Model S im Alleingang die Stimmung drehen?

In Europa hat sich nach erster Euphorie viel Ernüchterung beim Thema Elektroautos breitgemacht. Kaum einer in Deutschland glaubt noch, dass der ehrgeizige Plan der Bundesregierung aufgeht, bis 2020 eine Million Stromer auf die Straße zu bringen. Derzeit sind es erst einige tausend.

Hat Teslas Model S das Zeug, die Stimmung zu drehen? Diese Frage stellten sich mein Kollege Nils-Viktor Sorge und ich. Denn statt einen elektrischen Kleinwagen auf vier Räder zu stellen, wie Nissan mit dem Leaf oder Mitsubishi mit dem i-Miev taten, ging Tesla viel mutiger vor. Das Model S ist eine ausgewachsene Luxuslimousine mit fünf Metern Länge. Statt viel Plastik protzt Tesla im Model S mit einem 17 Zoll großen Touchscreen in der Mittelkonsole. Kurzum: Das Fahrzeug ist keine Verzichtserklärung, sondern eine rollende Kampfansage an die großen Autokonzerne à la BMW und Daimler.

Unser Ansatz: Ein Auto-Test, den so noch niemand gewagt hat

Über Monate verhandelten wir mit den Tesla-Presseleuten, ob wir das Luxus-Elektromobil in einer noch nie dagewesenen Weise testen konnten. Schließlich hatten Erfolg: Statt den Wagen zuerst den großen Auto-Fachmedien wie Auto Motor und Sport oder Autobild zur Verfügung zu stellen, gab uns Tesla Motors als allererste den bislang einzigen Model S-Testwagen in Europa – und das gleich mehrere Tage am Stück. So konnten wir als europaweit erste Journalisten die Strom-Limousine auf deutschen Autobahnen testen.

Als Wirtschaftsjournalisten wollten wir nicht vorrangig beschreiben, wie schnell das Auto fährt oder wie gut es beschleunigt. Uns schwebte eine Story über das große Ganze vor: Wir wollten herausfinden, wie fit Deutschland bereits für das Elektroauto-Zeitalter ist – und wo es noch hakt. Dafür entwickelten wir über Wochen ein komplett neues journalistisches Online-Format: Eine Live-Reportage, die über mehrere Tage ihre Spannung halten musste. Unser Ziel war es dabei, die Leser so nahe wie möglich an das Auto heranzubringen, sie über soziale Medien ins Geschehen einzubinden und ihnen gleichzeitig Hintergrundwissen zum Thema Elektromobilität und Ladeinfrastruktur zu vermitteln.

Das Ergebnis: Eine Multimedia-Reportage in Echtzeit

Wir nahmen uns also viel vor – schließlich hatten wir ja mehrere Tage Zeit dafür. Vom 23.-25.03.2013 fuhren mit dem Model S 1300 Kilometer quer durch Deutschland, von Garmisch-Partenkirchen bis nach Flensburg. Drei Tage lang berichteten wir live aus dem fahrenden Auto. Und das funktionierte so: Alle paar Minuten schrieb einer von uns eine kurze Meldung für unseren Liveticker, während der andere fuhr. Leser konnten unsere Route auf einer regelmäßig aktualisierten Karte mitverfolgen. Dabei berichteten wir live nicht nur darüber, wie sich das Auto fährt. Wir beschrieben etwa auch, wie schwierig es war, eine geeignete Schnellladesäule zu finden.

Unsere Leser konnten uns via Facebook kontaktieren, ihre Fragen beantworteten wir aus dem fahrenden Auto heraus. Dazu interviewten wir auch telefonisch Experten, die uns Hintergründe zum aktuellen Stand der Elektromobilität in Deutschland lieferten. Wir sprachen mit Elektromobilitäts-Spezialisten bei Stromversorgern und mit Fachleuten großer Autohersteller. In der Nähe von Karlsruhe besuchten wir jenen Mann, der in Deutschland am meisten praktische Elektroauto-Erfahrung gesammelt hat: Freiherr Hansjörg von Gemmingen, der mit seinem Tesla Roadster weit über 200.000 Kilometer zurücklegte. In Niedersachsen sahen wir uns jene Pilotanlage an, in der Audi Windstrom in Methangas verwandeln und so speicherbar machen will. Und über diese Zwischenstopps berichteten wir nicht nur in Worten, sondern auch in Bildern.

Der Erfolg: Hohe Zugriffszahlen – und hohes Leserinteresse

Diese Vielschichtigkeit per Liveticker, in Text und Bild, über soziale Medien und mit einer interaktiven Karte kam bei unseren Lesern an. Unsere Berichte fuhren auf manager-magazin.de eine siebenstellige Klickzahl (PIs) ein. Auch unsere Verlagsschwester Spiegel Online berichtete über unsere Pionierfahrt, in Flensburg machte sich ein Leser sogar die Mühe, uns persönlich an einer Ladesäule zu treffen. Abgerundet haben wir unsere Fahrt noch mit zwei Kommentaren am Tag danach. Noch Wochen später erreichten uns höchst positive Leserreaktionen und anerkennende Kommentare von Kollegen. Das Live-Reportageformat hat manager-magazin.de nicht nur ordentliche Seitenzugriffe eingebracht, sondern auch viel für die Leserbindung gebracht. Zudem hat es den Ruf von manager-magazin.de als innovative Online-Wirtschaftsseite gefestigt.

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