Für Autoingenieure und Technik-Fans ist es ein Schock: Erstmals verunglückte ein Autofahrer tödlich, als er dem Kollegen Computer das Steuer überlassen ließ. Die Sensoren des Elektroautos Tesla Model S konnten einen weißen Lkw-Anhänger nicht vom grauen Himmel darüber unterscheiden, der Fahrer am Steuer war auch nicht wachsam genug. Nun steht der Elektroauto-Hersteller Tesla in der Kritik. Denn der verspreche, so meinen einige Autoexperten, mit seinem „Autopilot“ genannten Assistenzsystem ziemlich viel – vielleicht zu viel.

So tragisch der Verlust eines Menschenlebens auch ist: Den Drang der Autohersteller, selbstfahrende Autos auf vier Räder zu stellen, wird er kaum bremsen. Warum das so ist, habe ich für manager-magazin.de in einem kurzen Kommentar analysiert.

„Ein tragischer Verlust“ – so betitelt der Autohersteller Tesla seinen jüngsten Blogeintrag. Darin versuchen die Kalifornier, etwas zu erklären, vor dem sich die Autobranche schon seit langem fürchtet: Den ersten tödlichen Unfall, bei dem Kollege Computer am Steuer saß. Etwas Schlimmeres können sich die Apologeten des autonomen Fahrens kaum vorstellen.

„Er starb, weil der Autopilot versagte“ – so erklärt die Bild-Zeitung ihren Online-Lesern das Geschehen. Damit liegt sie ebenso falsch wie all jene, die nun vor den ach so großen Gefahren selbstfahrender Autos warnen. Zum einen ist fraglich, ob Teslas Autopilot dafür ausgelegt sein muss, weiße Lastwagenzüge zu erkennen, die einen Highway queren. Genau das ist laut Tesla aber in dem Fall passiert.Zum anderen irren sich die Technik-Skeptiker an einer entscheidenden Stelle: Teslas Autopilot macht aus den schicken Stromern noch lange keinen autonom fahrenden Computer. Auch wenn der Autopilot mitlenkt, ist der Fahrer noch immer derjenige, der die volle Verantwortung trägt. Versagt hat also der Mensch – er hätte rechtzeitig bremsen müssen, wenn es der Computer nicht tut.

Teslas „Autopilot“ ist kaum mehr als ein fortschrittlicher Tempomat

Denn noch der Tesla-Autopilot nicht mehr als ein fortschrittlicher Tempomat. Dank Radar und optischer Bilderkennung hält er automatisch den Abstand zum Vordermann und die Spur, späht in tote Winkel und steigt in bestimmten Gefahrensituationen auch selbstständig in die Eisen. Das funktioniert oft genug einwandfrei, aber eben längst nicht perfekt.

Deshalb gilt weltweit eine gesetzliche Vorschrift: Fahrer müssen zu jeder Zeit die Kontrolle über ihr Fahrzeug haben. Der von Tesla beschriebene Fall legt nahe, dass dies dem tödlich verunglückten Fahrer nicht rechtzeitig gelang.

Wäre der Fall ohne aktivierten Autopiloten passiert, würde man von einem tragischen Unglück sprechen. So zeigt der Fall die Grenzen von aktuellen Assistenzsystemen: Kameras lassen sich durch schlechte Lichtverhältnisse ebenso täuschen wie das menschliche Auge.

Teslas geschickte Selbstvermarktung erweist sich als riskant

Tesla kann man zu Recht vorwerfen, zu hohe Erwartungen zu schüren. Während die Konkurrenz ähnliche Funktionen als Assistenzsysteme vermarktet, heißen sie bei Tesla Autopilot. Das beschwört die Vorstellung vom Flugzeuglenker herauf, der sich stundenlang in seinem Sitz zurücklehnen kann.

Doch im Auto sind die Hersteller da noch längst nicht so weit. Der tragische Unfall wird die schrittweise Einführung des autonomen Fahrens aber kaum gefährden. Denn nach wie vor gilt: Das größte Risiko im Straßenverkehr ist der Mensch. Schon heute ist die Technik in den meisten Fällen zuverlässiger als er – auch wenn das die Bleifuß-Fraktion nur höchst ungern hört.

Hinweis: Dieser Text erschien wortgleich bereits am 01.07.2016 auf manager-magazin.de.

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