Volkswagen-Konzernchef Matthias Müller ist jetzt seit September 2015 im Amt – und kämpft weiterhin mit den Altlasten des Diesel-Skandals. Dabei versprach Müller gleich zu Anfang, Europas größten Autohersteller umzukrempeln – mit weniger Hierarchiedenken, mehr Eigenständigkeit, mehr Eigenverantwortung und bald auch viel mehr Elektroautos.

Das gesamte Programm modernen Managens also, dass bei Volkswagen kaum angekommen zu sein schien. Müllers Vorgänger Martin Winterkorn und Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch entschieden, so wurde vielfach berichtet, häufiger alleine als im Team. Ihr Machtanspruch zeigte sich auch daran, dass sie sich gerne spät in Details wie Motorhauben-Formen einmischten – nicht weil es zwingend notwendig war, sondern weil sie es konnten.

Controller dürfte so etwas heimlich zur Verzweiflung gebracht haben. Müller hat sich erkennbar Mühe gegeben, bescheidener aufzutreten und das ihm selbst wohl suspekte Statusgehabe kräftig runterzudrehen. Einen „epochalen Wandel“ hat er das mal genannt. Denn ihm geht es nicht nur um einen etwas leiseren, aber dennoch selbstbewussten Auftritt. Er will, soviel ist klar, die großen Zukunftsthemen viel entschlossener anpacken als seine Vorgänger – wenn ihn der Dieselskandal denn lässt.

VW soll vom Diesel-Salonlöwen zum Elektroauto-Bannerträger werden

Schon im Jahr 2025, so hat Müller angekündigt, soll Volkswagen führend sein bei Elektroautos, mit denen sich der Konzern bislang nur halbherzig anfreunden konnte. Ins Car-Sharing, Car-Hailing und in weitere Mobilitätsdiensten will VW nun groß einsteigen und ganz vorne mitspielen.

Ein ehrgeiziges Programm also. Doch ehrgeizige Programme hat es schon viele gegeben in dem 600.000 Leute-Konzern aus Wolfsburg. Und längst nicht alle waren auch erfolgreich. Was Müller vorhat, ist nichts Geringeres als eine Turbo-Abkehr von alten Erfolgsrezepten: Müller will den Konzern, der den Diesel-Motor als Pkw-Antrieb salonfähig machte, ummodeln zum Bannerträger der modernen Mobilität.

Das ist fast schon eine Kulturrevolution. Eines der Erfolgsgeheimnisse der Kernmarke VW war es nämlich bisher, nicht an vorderster Innovationsfront zu stehen – sondern erstmal genau bei Neuerungen hinzusehen und den Markt dann mit einem technisch ausgereiften Produkt zu erobern. So hat es etwa beim Golf geklappt, der bei weitem nicht der erste Kompaktwagen war. So war es beim Tiguan, der den Markt für kompakte SUVs an sich riss.

Nun soll das alles anders werden. Und wie ernst Müller es meint, zeigen vier Zeichen für den Kulturwandel. Die habe ich für manager-magazin.de hier identifiziert und aufgeschrieben.

 

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