2009 war für die Luxusgüter-Hersteller ein Horrorjahr: Wegen der weltweiten Wirtschaftskrise brachen die Umsätze der Branche um acht Prozent ein. Doch für 2010 dürfen die Nobelmarken wieder auf steigende Umsätze hoffen, zeigt eine neue Studie des Beratungsunternehmens Bain & Company: Um 4 Prozent sollen die Umsätze der Luxusbranche in diesem Jahr steigen. 158 Milliarden Euro wird das internationale Luxusgütersegment so umsetzen. Die Bedeutung des Online- und des Einzelhandels werden steigen, prognostiziert Bain.

Nobelmarken-Eldorado China

Zwei Regionen werden besonders stark zum Wachstum beitragen: In China sollen die Umsätze mit Luxusgütern in diesem Jahr um 15 Prozent zulegen, im restlichen Asien sagt Bain den Nobelmarken ein Wachstum von zehn Prozent voraus. In den USA und Europa legen die Umsätze nur leicht um vier bzw. drei Prozent zu, in Japan sinken sie um drei Prozent. Dabei gibt es aber deutliche Unterschiede zwischen den einzelnen Sparten, zeigt die Studie „Luxury Goods Worldwide Market Study“, die zweimal jährlich von Bain gemeinsam mit der italienischen Fondazione Altagamma durchgeführt wird

Luxusschuhe gewinnen, Möbel stagnieren

Die Kategorie Luxusschuhe, Lederwaren und Accessoires soll 2010 um fünf Prozent mehr umsetzen als im Krisenjahr 2010. Bei Nobel-Kleidung sowie Uhren und Schmuck erwarten die Experten ein Umsatz-Plus von vier Prozent, Parfum- und Kosmetikprodukte legen um nur zwei Prozent zu. Auf dem Vorjahresniveau bleiben hingegen Luxusprodukte im Bereich Möbel und Hausdekoration.

Harte und weiche Faktoren

Die Gründe für den Luxusgüter-Aufschwung beschreibt Bain anhand harter und weicher Faktoren. Die makroökonomischen Indikatoren wie BIP-Wachstum zeigen weltweit wieder nach oben, zudem gibt es speziell in China hohe Infrastruktur-Investitionen und Urbanisierungspläne. Das flächenbereinigte Umsatzwachstum im Luxusgüter-Einzelhandel wird um 15 bis 20 Prozent zulegen, und auch der internationale Reisemarkt wird 2010 wieder erstarken.

Auch weiche Faktoren wie das steigende Konsumentenvertrauen oder den Boom bei Online-Verkäufen tragen zum positiven Ausblick für die Nobelmarken bei, analysiert Bain.

Große Marken gewinnen

Die Krise des letzten Jahres wird den Luxusgüter-Markt aber nachhaltig verändern, heißt es in der Studie. So genannte Mega-Brands zählten 2009 zu den Krisengewinnern. Die großen Luxusmarken haben sich besser auf die Krise vorbereitet und konnten die Rezession besser meistern. Nur zwei Prozent der 220 untersuchten Marken erzielten 2009 ein Umsatzplus von mehr als fünf Prozent. Diese Marken erzielen bereits einen Marktanteil von zehn Prozent des gesamten Luxusgütermarktes. Die Hälfte der untersuchten Marken musste einen Umsatzeinbruch von mehr als 15 Prozent verkraften und erzielte somit lediglich ein Fünftel des Branchenumsatzes im Luxusgütersegment.  „Die Krise bestätigt, dass groß besser ist“, folgern die Autoren der Studie.

Konsolidierungs- und Rechtfertigungsdruck

Die Top-Marken sind 2009 gewachsen, ein Großteil der Marken musste aber herbe Umsatzeinbrüche hinnehmen – diese Konstellation schafft ein ideales Klima für eine Marktbereinigung. In den nächsten Monaten werden die Übernahmen und Börsengänge bei den Luxusgüter-Herstellern wieder zunehmen, so Bain. Dem Online-Verkauf – und der „Digitalisierung des Einkaufserlebnisses“ – kommt immer höhere Bedeutung zu. Doch in diesem Jahr müssen die Luxusgüter-Hersteller auch auf ein neues Konsumentenverhalten reagieren. Der Glanz einer Nobelmarke reicht nicht mehr aus, die Luxusgüterhersteller müssen ihren hohen Preis auch „rechtfertigen“. Kleineren und kapitalschwachen Anbietern dürfte das nicht gerade leicht fallen.

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