Auch nach dem erfolgreichen Börsengang der Konzernmutter General Motors sieht Opel-Chef Nick Reilly keinen Grund, die Sanierung des deutschen Autobauers zu beschleunigen. „Alles in allem sind wir bei der Restrukturierung des Europageschäfts im Plan“, sagte Reilly im WirtschaftsWoche-Interview mit meinem Kollegen Franz Rother und mir. „Wir sind hochmotiviert und konzentriert, um möglichst schnell in die Gewinnzone zurückzukehren. Sollten wir das schon 2011 schaffen, wäre das sehr positiv“.

Nachbessern müsse er bei seinem Sparkurs nicht, so Reilly. Er verspüre durch den Börsengang keinen stärkeren Druck als bisher, schneller Gewinne zu machen. „In Europa müssen wir nicht weitergehen, als wir es bisher angekündigt haben“, sagte Reilly, als GM Europe Chef für die Marken Opel, Vauxhall und Chevrolet verantwortlich ist. „Unseren Prognosen zufolge, und das sind sehr konservative Voraussagen, werden wir die europäischen Werke im Jahr 2012 zu über 100 Prozent auslasten, wenn wir sie im Zweischicht-Betrieb fahren. Im Dreischicht-Betrieb sind es rund 80 Prozent Auslastung.“ Das sei deutlich besser als der europäische Durchschnitt und gebe dem Autobauer noch Reserven, wenn die Nachfrage anziehen sollte. Zurzeit liegt die Auslastung in den europäischen GM-Werken laut Reilly bei rund 70 Prozent.

In diesem Jahr wird Opel jedoch tiefrote Zahlen schreiben, sagte Reilly gegenüber der WirtschaftsWoche. „In diesem Jahr werden uns die diversen Restrukturierungsmaßnahmen mit ungefähr einer Milliarde Euro belasten, im nächsten Jahr werden es noch einmal rund 500 Millionen Euro sein“, so Reilly. Alleine die Schließung des GM-Werkes in Antwerpen, das bis Ende 2010 wird, schlägt sich mit rund 400 Millionen Euro zu Buche. „In der Summe rechnen wir mit einem Minus von rund zwei Milliarden Dollar, das sind 1,4 Milliarden Euro“, sagte der Opel-Chef. Analysten waren bisher von rund einer Milliarde Jahresverlust ausgegangen.

Eine Beschleunigung des harten Sanierungsprogramms wäre jedoch laut Reilly „nicht ratsam“. In Bochum habe Opel etwa ein Getriebewerk, das eigentlich schließen sollte. „Nun haben wir aber deutlich mehr Aufträge für Exporte und halten es deshalb länger offen als geplant. Das tut uns finanziell gut, verzögert aber die Restrukturierung etwas“, so Reilly. Ein ähnliches Problem habe GM in Spanien: Dort wurden nur 750 statt der vorgesehenen 900 Arbeitsplätze abgebaut, weil die Nachfrage für den Meriva stark gestiegen sei.

In Deutschland verlaufe der Personalabbau „ziemlich schleppend“, so Reilly. Im Werk Bochum, das am stärksten von den geplanten Jobstreichungen betroffen ist, hätten einige Mitarbeiter das Abfindungsangebot angenommen, zudem gehen einige Mitarbeiter im Rahmen der natürlichen Fluktuation in den Ruhestand. Weitere 300 Mitarbeiter haben die Möglichkeit, nach Rüsselsheim zu wechseln, sagte Reilly gegenüber der WirtschaftsWoche. „Deshalb glaube ich nicht, dass wir dieses Jahr ein Problem bekommen, möglicherweise aber im nächsten Jahr, wenn sich an der Akzeptanz unserer Angebote nichts ändert“. Dass Personal aus Kostengründen abgebaut werden müsse, sei aber unbestritten und mit dem Betriebsrat abgestimmt, so Reilly.

Hoffnungsvoll stimmt Reilly, dass sich die Marke Opel außerhalb Deutschlands langsam erhole. „In allen andern Ländern haben wir mit Opel in diesem Jahr Marktanteile dazugewonnen“, so Reilly. Der deutsche Markt sei „ein Sonderthema aufgrund der langen Debatten um staatliche Bürgschaften.“ Zudem werde Opel dank des Elektroautos Ampera als führend in der Elektromobilität gesehen. Doch die Verkaufszahlen des Elektroautos, das Ende 2011 in Europa verkauft werden soll, werden laut Reilly in den nächsten Jahren eher gering sein. „In Europa können wir im ersten vollen Jahr, also 2012, zwischen 12.000 und 15.000 Elektroautos verkaufen“, sagte Reilly der WirtschaftsWoche. Ein Großteil der Fahrzeuge werde an Flottenkunden gehen. „Wir führen bereits vielversprechende Gespräche mit namhaften Großabnehmern.“

Der Ampera wird vorläufig ausschließlich in den USA gefertigt und nach Europa exportiert. Ab 2014 oder 2015 würde Reilly die zweite Generation des Elektroautos gerne in Europa fertigen lassen. „Sobald wir ein Verkaufsvolumen von 40.000 Fahrzeugen erreichen, wird eine Fertigung auch in Europa realistisch“, so Reilly. In Frage kämen dafür das britische Werk in Ellesmere Port, aber auch die polnischen Produktionsstätten oder Bochum.

Das vollständige Interview finden Sie auf wiwo.de: Gewinne wären die beste Werbung für die Marke Opel

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